Zwischenspiel: Sechs Hüte

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“The best way to have a good idea is to have a lot of ideas.” — Linus Pauling

Wir legen eine kurze Pause beim Thema Leadership ein und beschäftigen uns in diesem Zwischenspiel mit der Frage, wie man am besten zu neuen Ideen kommt.

Wenn Kind und Frau schlafen, sitze ich abends oft vor dem PC und überlege mir, über welches Thema ich als nächstes auf BuffsInChucks schreiben möchte. Manchmal ist es einfach, denn ich bediene mich jener Trainings und Theorien, die ich teilweise bereits vor Jahren für meine Leadership Kurse und Reden erarbeitet habe. Die kreative Arbeit besteht dann hauptsächlich darin, diese Ideen „bloggerecht“ aufs Papier zu bringen, Zeichnungen und Grafiken anzufertigen und passende Bilder mit Hilfe von KI zu erstellen.

Da BuffsInChucks aber nicht nur dazu dient meine Ideen mit euch zu teilen, sondern auch mir selbst Antrieb geben soll, mich wieder vermehrt mit neuen Theorien zu beschäftigen, oder gar neue Ansätze zu entwickeln, benötige ich kreative Pausen.

Manchmal schießen mir Ideen einfach während der Autofahrt, oder einer Reise im Flugzeug ein. Manchmal wenn ich meinem Kind beim Spielen zusehe. In diesen Fällen diktiere ich sie im Michael Knight Style in meine Smartwatch, um sie nicht zu vergessen. Am Abend höre sie mir vor dem PC nochmal an und … lösche vieles davon wieder.

Dann gibt es Momente, in denen ich mich bemühe organisierter und strategischer bei der Ideenfindung vorzugehen. Dabei bediene ich mich einem kleinen Trick, den ich selbst bei einem Seminar kennengelernt und anschließend für mich adaptiert habe. Diese Methode möchte ich heute mit euch teilen:

Six Thinking Hats

Edward de Bono hat Six Thinking Hats in den 1980ern entwickelt. Es zielt darauf ab, Gruppen dabei zu helfen, Gruppendiskussionen und Teamarbeit besser zu strukturieren. Anders gesagt, sollen unterschiedliche Perspektiven systematisch aufgezeigt werden, um so kreative Lösungen für Probleme zu finden. Dabei werden verschiedenfarbige Hüte an die Teilnehmer verteilt, wobei jeder Farbe eine eigene Bedeutung zukommt.

  • Grüner Hut (Kreativität): Steht für Kreativität und die Suche nach alternativen Lösungen und neuen Ideen.
  • Weißer Hut (Information): Konzentriert sich auf verfügbare Daten und Informationen, fragt nach Fakten, Zahlen und benötigten Informationen.
  • Gelber Hut (Optimismus): Fokussiert auf Positives, Nutzen und Wert einer Idee
  • Schwarzer Hut (Kritik): Dient der kritischen Bewertung von Ideen. Es werden Risiken, Schwachstellen und Probleme betrachtet.
  • Roter Hut (Emotionen): Erlaubt den Ausdruck von Gefühlen, Intuitionen und Ahnungen, ohne diese rechtfertigen zu müssen.
  • Blauer Hut (Prozesssteuerung): Wird verwendet, um den Denkprozess zu ordnen und zu steuern, leitet die Diskussion und fasst Ergebnisse zusammen.

In Gruppenspielen sitzen da dann tatsächlich Menschen mit farbigen Hüten im Meetingraum. Es ist zunächst eher amüsant, aber wenn sich die Teilnehmer ernsthaft darauf einlassen, funktioniert es tatsächlich. Offiziellen Ablauf gibt es keinen, aber grundsätzlich macht es Sinn mit dem blauen Hut zu beginnen. Alle Teilnehmer setzen also den blauen Hut auf, um die Ziele des Meetings zu diskutieren, die Agenda festzulegen und die Regeln zu definieren.

Danach bietet es sich an, auf den grünen Hut zu wechseln. Jetzt darf, nein muss, ohne Einschränkungen über kreative Ideen nachgedacht und diskutiert werden. Es gibt keine Tabus. Meiner Erfahrung nach startet es meist mit angehaltener Handbremse, aber sobald die ersten verrückten Ideen geteilt werden, entsteht eine positive Dynamik, die Leute haben Spaß und irgendwann beginnen die Ideen zu sprudeln. Dies ist der Kern der Diskussion und umso mehr Ideen gesammelt werden, umso besser.

Da der weiße Hut auf Fakten und Informationen fokussiert, ist er meistens der Nächste an der Reihe. Nun haben alle die Möglichkeit, Fakten auf den Tisch zu legen, die sie zu diesen Ideen beitragen können.

Nach dem weißen Hut wechseln wir auf Gelb. Jetzt darf sich jeder positiv zu den Ideen äußern. Und zwar ausnahmslos positiv. Welche Vorteile und positive Seiten haben die genannten Ideen? Man sollte versuchen auch zu den „verrücktesten“ Ideen, positive Aspekte zu finden.

Ist dieser Punkt abgeschlossen, kommt der schwarze Hut an die Reihe. Jetzt werden alle Risiken und mögliche Probleme der genannten Ideen diskutiert. Auch hier ist es von besonderer Bedeutung, auch für jene Ideen, die in der Gruppe den meisten Anklang gefunden haben, Risiken und potenzielle Probleme zu identifizieren und klar zu benennen.

Danach dürfen alle noch den roten Hut aufsetzen und auf ihr „Bauchgefühl“ hören. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob man diesen Hut weglassen könnte, denn die Emotionen entstehen automatisch bei allen Teilnehmern. Die restlichen Hüte dienen doch auch dazu, keine Entscheidung aufgrund von persönlichem Wohlbefinden und Glauben zu finden. Ich habe aber Kolleg:innen die mir hier klar widersprechen und diesen Step als fundamental erachten, weil man eben nicht alles mit dem Kopf entscheiden kann und man ohne den roten Hut dieses Bauchgefühl nicht klar definiert und in der Gruppe kommuniziert. Geschmacksache ¯\_(ツ)_/¯

Abschließend kommt nochmal der blaue Hut dran, um das Erarbeitete zusammenzufassen und eine Entscheidung zu treffen.

Eine wunderbare Technik, um in der Gruppe kreative Ideen zu finden und trotzdem dafür zu sorgen, dass die Chance auf eine tatsächliche Lösungsfindung steigt. 

Was hat das nun mit meinem Blog zu tun?

My Six Thinking Hats

Wie einführend erwähnt, nutze ich diese Technik für mich allein, also ganz ohne andere Teilnehmer. Es fällt einem am Anfang schwer, sich in die jeweiligen Rollen immer allein hineinzuversetzen. Obendrein habe ich gerade mal einen Sonnenhut zuhause.

Zum Glück kann man sich recht einfach mit anderen Dingen behelfen, die die Hüte ersetzen. Wer sehr visuell veranlagt ist, kann Papier mit unterschiedlichen Farben verwenden, oder Excel Sheets mit unterschiedlicher Farbmarkierung. Eigentlich genügt es, wenn man das Wort „Optimismus“ auf einen Zettel schreibt, schon sollte man wissen, dass man den gelben Hut trägt.

Ein weiterer guter Trick ist es, verschiedene Hüte an verschiedenen Orten zu tragen. An meinem Schreibtisch plane ich den Prozess und trage den blauen Hut, während ich auf meinem Balkon den Ort für den Grünen Hut habe, um möglichst viele Ideen zu finden und kreativ zu sein. 

Nicht, dass jeder so weit gehen muss, aber es gibt Menschen, denen eine so klare Abgrenzung dabei behilflich sein kann, sich bewusst in eine neue Rolle zu versetzen.

Nehmen wir einen Blogpost auf BuffsInChucks als Beispiel:

Blauer Hut (Steuerung):

  • Für welche Zielgruppe soll der Blogpost relevant sein?
  • Welche Wirkung soll der Post haben?

Grüner Hut (Kreativität):

  • Freies Brainstorming, ohne Einschränkungen, welche Themen interessant sein könnten.
  • Kann ich eine überraschende Verbindung zwischen zwei unabhängig erscheinenden Themen herstellen?
  • Kann ich bekannte Theorien aus einem neuen Blickwinkel beleuchten oder eine andere Verwendung dafür finden?

Weißer Hut (Information):

  • Welche grundlegenden Fakten und Daten benötige ich für das Thema?
  • Gibt es kürzlich veröffentlichte Studien oder Berichte, die ich nutzen könnte?
  • Hat schon mal jemand dieses Thema so beleuchtet wie ich? 

Gelber Hut (Optimismus):

  • Welche Vorteile bieten diese Ideen?
  • Wie könnten sie dem Leser Nutzen bringen?
  • Was macht auch mir am meisten Spaß, um darüber zu schreiben?

Schwarzer Hut (Kritik):

  • Welche Herausforderungen könnten bei der Umsetzung der Ideen auftreten?
  • Gibt es signifikante Schwachpunkte in den Argumenten oder dem Konzept?

Roter Hut (Emotion):

  • Ganz banal ausgedrückt: Fühl ich das Thema?

Blauer Hut (Steuerung – Abschluss)

  • Welche Ideen erscheinen am vielversprechendsten?
  • Wie werde ich die Idee in einen vollständigen Blogpost umsetzen?
  • Zeitplan für Recherche, Schreiben und Veröffentlichung (den ich 100x über den Haufe werfe)

So sieht der Prozess aus, bevor ich anfange zu schreiben. Auch für diesen Beitrag.

Mir gelingt es nicht immer, mich wirklich daran zu halten. Aber der Versuch die Six Thinking Hats im (oder besser gesagt am) Kopf zu behalten, hilft mir dabei, ein Thema von mehreren Perspektiven zu betrachten und so einen besseren Output zu erzeugen.

Im nächsten Beitrag schließen wir dann das Thema Leadership für’s Erste ab, versprochen. 

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