„People often say that motivation doesn’t last. Well, neither does bathing. That’s why we recommend it daily.“ – Zig Ziglar
Was? Schon wieder ein Buff zum Thema Motivation? Haben wir mit Hygienefaktoren, Motivatoren und Hybriden nicht bereits alles besprochen? Nun ja, nein.
Bei Herzbergs Zwei-Faktoren-Theorie haben wir uns damit befasst, welche Dinge in einem Unternehmen motivieren und demotivieren können. Heute gehen wir in eine andere Richtung. In diesem Buff beschäftigen wir uns damit, welche Form der Motivation man selbst benötigt um Dinge endlich zu erledigen (z.B. neue Blogbeiträge zu veröffentlichen) und wie man sich dieses Wissen als Führungskraft zu Nutze machen kann.

X und Y
Dieses Mal sind wir bei Douglas McGregor zu Besuch und wir haben die 1950er hinter uns gelassen. Ok, wir schreiben gerade mal das Jahr 1960. Er ging in seinem Buch „The Human Side of Enterprise“ davon aus, dass man Menschen aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann und stellte seine Theorie X und Theorie Y vor.
X (nicht Twitter)
Theorie X war zu diesem Zeitpunkt weit verbreitet (Spoiler alert: und sie ist es heute noch). Sie besagt, dass Menschen grundsätzlich faul sind und dazu angetrieben werden müssen etwas zu erledigen. Und ganz so falsch wirkt das auf den ersten Blick gar nicht. Selbst rein biologisch betrachtet verbraucht unser Hirn nur 25 Watt, schlägt aber (Stand 19.03.2024) mit dieser geringen Leistungsaufnahme immer noch jeden Supercomputer. Das geht nur, weil wir unser Hirn dazu anhalten sich möglichst vieler Routinen, Muster und Schubladen zu bedienen. Wir trainieren es möglichst faul zu sein.
Auch in der Politik stolpern wir immer wieder über die Theorie X. Zum Beispiel beim Thema Arbeitslosigkeit. Die faulen Menschen brauchen angeblich einen Tritt in den Hintern, um diesen hoch zu bekommen und endlich einer Arbeit nachzugehen. Was uns zur Theorie Y bringt.
Y
Wenig überraschend geht Theorie Y vom Gegenteil aus. Der Mensch ist grundsätzlich selbst motiviert sich zu verwirklichen und seine Ziele zu erreichen. Man muss ihm nur das richtige Umfeld schaffen, ihn fördern und möglichst alles unterlassen, was diese Eigenmotivation gefährden könnte. Die moderne Schulpädagogik geht stark in diese Richtung. Auch den Kindern sollte man dieses inspirierende Umfeld schaffen in dem sie sich entwickeln und so auch selbst fördern können.
Aber ist dem wirklich so? Sind alle Menschen tatsächlich entweder X oder Y? Ich selbst bin lange davon ausgegangen, dass zirka 80% Y sind, aber 20% tatsächlich X. Über die Jahre habe ich in der Praxis aber eine ganz andere Beobachtung gemacht. Wir alle sind X und Y. Natürlich in unterschiedlichen Ausprägungsformen, aber am meisten beeinflusst uns die Situation in der wir uns gerade befinden.

Der Pull
Der Y Theorie folgend sind Menschen also selbstmotiviert. Dafür bedarf es aber etwas: Das klassischste Beispiel von Pull Motivation ist wohl die Karotte, die man dem Esel mit einem Stecken und einer Schnur vor das Gesicht hängt, damit er anfängt sich zu bewegen. Das Ziel des Esels ist es die Karotte zu erreichen. Das Entscheidende Wort in dieser Metapher lautet „Ziel“.
Ziele die wir uns selbst, oder unseren Mitarbeitern stecken, dienen der langfristigen (!) Motivation. Um Pull Motivation zu erreichen muss das Ziel und die Belohnung signifikant sein. Die Ziele müssen klar definiert (S), messbar (M), erreichbar (A) relevant (R) und zeitlich definiert sein (T). Ziemlich smart.
Pull Motivation erreichen wir durch eine Kombination aus Story Telling und Belohnung. Auch für die Eigenmotivation ist beides entscheidend. Wenn ich einen gut trainierten Körper haben möchte, muss ich mir vorstellen können wie ich dann aussehen könnte, welche gesundheitlichen Vorteile ich dadurch habe, was ich tun muss um dieses Ziel zu erreichen und bis wann ich es erreicht haben möchte. In der Privatwirtschaft kann das Ziel eine Beförderung, eine Gehaltserhöhung oder entsprechend hohe Bonuszahlung sein, welche am Jahresende ausbezahlt wird. Manchmal genügt aber einfach die Anerkennung von Kollegen, der Fachwelt oder einem selbst.

Der Push
Nach der X Theorie sind Menschen faul. Ich bin davon überzeugt, dass kaum jemand immer (!) der Gruppe X zuzuschreiben ist. Ich bin aber ebenfalls davon überzeugt, dass wir alle einen X Tag, oder einen X-Zeitraum haben können.
Und genau da hilft die Pull Motivation nicht mehr, weil sie zu unnahbar, zu weit weg oder einfach zu surreal ist. In der Push-Pull Theorie sieht man Belohnungen als Pull- und Bestrafungen Push-Motivatoren. Bei den Push-Motivatoren muss ich aber widersprechen!
Der Arbeitsminister würde es mit einer Kürzung des Arbeitslosengeldes vielleicht so verstehen, aber es gibt viele Formen des Push, abhängig von der jeweiligen Situation. Ein guter Mitarbeiter arbeitet an einem langfristigen Projekt, steckt aber bei einem Zwischenziel fest. Natürlich könnte ich sagen, dass der Job in Gefahr ist, wenn das Projekt zur Deadline nicht abgeschlossen ist. Es kommt aber viel öfter vor, dass besagte Person nur einen Gedankenaustausch, oder einen fachlichen Input der Führungskraft braucht um über diese Hürde zu kommen.
Bei unserem Fitnesscenter Beispiel kann ein Trainingspartner den fehlenden Push geben, auch zum 4. Mal diese Woche laufen zu gehen, selbst wenn es einen allein nicht gefreut hätte. Push muss keine Bestrafung sein, vielmehr ist es ein kurzfristiger Anschub um den ersten, oder nächsten Schritt zu machen.
TL;DR
Es ist situationsabhängig ob jemand Pull- oder Push-Motivation benötigt. Neben dem grundsätzlichen Charakter der Person, ist besonders der Zeithorizont entscheidend. Pull-Motivation eignet sich hervorragend um langfristige Ziele zu erreichen, welche mit einer größeren Belohnung zusammenhängen. Push-Motivation hingegen eignet sich ausschließlich für kurze Motivationsschübe und kann nur schwer über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden. Sie muss nicht mit Bestrafung einhergehen, sondern kann sehr wohl auch mit positiven Dingen verknüpft werden.
Zunächst musst du dir also im klaren sein, welches Ziel du persönlich verfolgst. Stelle dir nicht nur das Ergebnis vor, sondern auch die Belohnung die du dadurch erhältst und ganz besonders wie der Weg zu diesem Ziel aussieht. Bist du an dem Punkt angelangt wo der Pull nicht mehr ausreicht, such dir einen Push. Setze dir Deadlines für Zwischenziele. Teile diese Deadlines mit Menschen die dir wichtig sind und bitte sie dir einen Push zu geben, wenn du merkst, dass du dein Ziel verfehlen könntest.
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