Das buff’sche ABC der Jobsuche

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„The only way to do great work is to love what you do. If you haven’t found it yet, keep looking. Don’t settle.“ – Steve Jobs 

Menschen, die im HR arbeiten, können ein Lied davon singen: Man wird öfter von Familie und Freunden um Hilfe gebeten, wenn ein Bewerbungsgespräch ansteht oder man einfach nur den Lebenslauf überarbeiten soll. Und jedes Mal muss man sein Gegenüber zunächst enttäuschen. Es gibt keine goldene Regel, die für jede Bewerbung Gültigkeit hat!

Das ist dem Umstand geschuldet, dass man als Bewerber nicht weiß, wer die Bewerbung bearbeiten oder in einem Interview gegenüber sitzen wird. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, über die man sich Gedanken machen sollte, um seine Chancen auf einen guten Job zu erhöhen.

A.B.C. – Apply, Build, Connect

Menschen die denken aktuell arbeitslos zu sein:
Man ist nicht arbeitslos, man ist arbeitssuchend! Dieser Ausdruck wird vom Arbeitsmarktservice (in Deutschland dem Arbeitsamt) gern verwendet, um Arbeitslosigkeit einen positiveren Touch zu geben. Aber es steckt doch eigentlich für Betroffene sehr viel mehr dahinter.

+ “Was machst Du so beruflich?”
# “Ich arbeite bei der Fuck My Life GmbH und bin im Projektmanagement des ABC-Teams. Und du?”

Ein harter Job und ziemlich fordernd obendrein! Denn in der FML GmbH zu arbeiten bedeutet, dass man sich den Wecker um dieselbe Uhrzeit stellt, als wäre man noch im letzten Job angestellt. Die Routinen bleiben gleich, man arbeitet ab jetzt einfach zu 100% im Home-Office und geht gelegentlich auf kürzere Business-Trips. Und das jeden Tag, jede Woche, wenn nötig, jeden Monat.

Zugegeben, nach einiger Zeit wird es schwieriger jeden Tag acht Stunden in seine Jobsuche zu investieren. Der Lebenslauf ist überarbeitet, das Anschreiben dank ChatGPT in wenigen Minuten erstellt, die neuesten Jobs auf den größten Jobplattformen sind bereits gesichtet und die Bewerbungen versendet. Viel mehr kann man eigentlich nicht tun, richtig? Falsch.

Der erste Punkt ist, sich proaktiv bei Firmen zu melden! Initiativbewerbungen haben eine deutlich geringere Erfolgsquote als Bewerbungen auf Ausschreibungen, aber man hat acht Stunden Zeit und das fünf Tage die Woche! Selbst wenn bei 50 Initiativbewerbungen nur ein einziges Interview rausschaut, war es das vielleicht trotzdem wert.

Hat man einmal ein Interview an Land gezogen, muss man entsprechend Zeit in die Vorbereitung investieren und nicht nur am Weg zum Bewerbungsgespräch kurz mal die Website abklopfen. Gibt es Zeitungsartikel online? Wer sind die wichtigsten Personen im Unternehmen? Haben diese Interviews gegeben oder gibt es Auszeichnungen? Wie sieht der Social-Media-Auftritt aus und welche Kommentare findet man unter Tweets und Posts?

Dass man die Arbeitszeit in der FML GmbH auch dafür nutzen kann, sich ernsthaft weiterzubilden, ist da noch gar nicht eingerechnet. Jeden Tag in der Früh aufstehen und die Arbeitssuche als Projektarbeit betrachten, führt einen garantiert um ein Vielfaches schneller zu einem neuen Job.

Das eigene Netzwerk

Wer ein paar „fire and forget“-Bewerbungen versendet und denkt, dass es damit getan ist, der verwendet das mächtigste Tool nicht: das eigene Netzwerk.
Neben Familie und Freundeskreis hat man in der Regel alte Schul- oder Studienkollegen, Nachbarn, ehemalige Arbeitskollegen und einen Haufen Menschen auf Social Media, die man vielleicht nicht mal persönlich kennt. Wenn so viele Menschen ihre Partner über Freunde und Bekannte finden, warum sollte das mit einem Job nicht funktionieren?

Angenommen, man kennt 100 Personen (sehr konservative Schätzung), die auch jeweils 100 Personen kennen. Über eine einzige Ecke hat man so eine Reichweite von 10.000! Geht man nochmal eine Ecke weiter, ist man schon bei 1.000.000. (Nebenbemerkung: Geht man nochmal 4,7 Ecken weiter, erreicht man theoretisch jeden Menschen auf der ganzen Welt.)

Es fühlt sich vielleicht so an, als würde man um einen Gefallen bitten. Eine Anstellung ist aber immer im Interesse aller. Viele Unternehmen zahlen ihren Mitarbeitern deshalb sogar Prämien, wenn sie neue Personen für das Unternehmen anwerben. Aber selbst ohne monetären Anreiz werden viele hilfsbereiter sein, als man es zunächst erwarten würde. Es liegt einfach in unserer Natur.

Also, raus mit der Info, dass man auf Jobsuche ist, das ist keine Schande! Das eigene Netzwerk ist der größte Hebel und wichtiger, als es ein gutes Anschreiben oder der perfekt formatierte Lebenslauf je sein könnten!

Das gute Anschreiben und der perfekt formatierte Lebenslauf

Gut, klar ist das auch wichtig. Besonders wenn man sich regulär auf eine offene Stelle beworben hat, ohne Vitamin B, ist es meist die einzige Information, die das Unternehmen von einem vorab erhält.

Um es kurz zu machen: Man geht auf eine Website wie http://www.canva.com und sucht sich dort eine CV-Vorlage aus. Selbst ohne Pro-Version gibt es genügend Lebenslaufdesigns, die absolut ausreichend sind, um einen professionellen Eindruck zu hinterlassen.

Es ist nicht wichtig, dass der Lebenslauf auf einer Seite zusammengepfercht wird. Es dürfen gerne auch zwei Seiten sein. Wer aktuell jedoch einen Lebenslauf von 3, 4 oder gar 5 Seiten hat, sollte sich Gedanken machen, welche Informationen wirklich relevant sind.

In manchen Ländern ist es unüblich, ein Foto auf dem Lebenslauf zu platzieren. Im deutschsprachigen Raum empfehle ich es aber auf jeden Fall! Dazu muss man nicht zu einem Profifotografen gehen, es sollte nur kein Ausschnitt vom letzten Saufabend sein. Ein nettes Profilbild mit einem authentischen Lächeln ist schon mehr, als wir Recruiter erwarten. Cheese!

Das Interview

Es gibt online unzählige Tipps, was man in einem Interview machen oder nicht machen sollte. Ich gehe daher nicht auf Pünktlichkeit oder wie fest ein Händedruck sein soll, ein. Selbstsicher, aber nicht arrogant lautet das Credo. Man muss sich aber bewusst machen, dass der Grat zwischen diesen zwei Eigenschaften sehr schmal sein kann.

Meine Empfehlung ist, zu so vielen Interviews wie möglich zu gehen. Auch ich gehe ab und zu zu Jobinterviews, wenn mich ein Unternehmen anschreibt, selbst wenn ich nicht die Absicht habe zu wechseln. Dabei geht es weniger darum zu evaluieren, ob die Stelle vielleicht doch interessant ist, als um die Tatsache, in Übung zu bleiben (und in meinem Fall als HRler auch das Gefühl, Bewerber zu sein, nicht zu verlernen). Je mehr Jobinterviews man absolviert hat, desto besser wird man darin. Und warum nicht die Zeit in 5-6 Interviews investieren, selbst wenn der Job nicht von Interesse ist, wenn man dafür dann im entscheidenden Interview bereits ein bisschen mehr Routine hat und glänzen kann?

Mein zweiter Ratschlag lautet, seinem Gegenüber zu vertrauen. Man muss darauf vertrauen, dass der Hiring Manager weiß, wer zum Unternehmen, zum Team und zur Stelle passt. Wenn man sich nicht verstellt, man authentisch ist und dann eine Absage erhält, dann wäre man sehr wahrscheinlich in diesem Unternehmen sowieso langfristig nicht glücklich geworden. GG, go next.

Als dritter und letzter Tipp: Man muss sich auf das Interview richtig vorbereiten. Damit meine ich weniger, sich Gedanken darüber zu machen, welche drei Stärken und Schwächen man hat, sollte diese unsinnige Frage gestellt werden. Damit meine ich, sich damit auseinanderzusetzen, warum man diese Rolle wirklich möchte. Welchen Mehrwert man dem Unternehmen, aber besonders dem zukünftigen Vorgesetzten bringen könnte. Außerdem sollte man möglichst viele Informationen zum Unternehmen einholen und natürlich auch die eigenen Fragen vorbereiten.

Wenn ein Bewerber keine Fragen stellt, oder diese sich nur um Gehalt und Arbeitszeiten drehen, macht das keinen positiven Eindruck. Wir verbringen unglaublich viel Zeit in der Arbeit. Wer daran interessiert ist, mehrere Jahre in einem Unternehmen zu bleiben, wird hoffentlich versuchen, sich ein genaues Bild vom Arbeitsumfeld, den Aufgaben und dem Betriebsklima zu machen.

Mini-Exkurs, weil ich diesen Tipp immer wieder höre: Nein, als Schwächen etwas zu nennen, das man auch positiv deuten kann, ist Unsinn. Man muss ehrlich zu sich selbst sein. Hat man seine Schwächen erkannt? Ja? Gut! Was tut man, um diese zu kompensieren? Hat man Wege gefunden, um diese Schwächen im Arbeitskontext erfolgreich zu bekämpfen? Wenn man diese Frage mit “Ja” beantworten kann, dann kann man ehrlich sein und gleich die Lösungswege ebenfalls erwähnen.

Um besser zu verstehen, welche Fragen in einem Interview gestellt werden könnten, und was diese Fragen bezwecken, empfehle ich TNT Recruiting zu lesen. Dieser Buff ist zwar für Hiring Manager gedacht, aber natürlich kann man sich dieses Wissen auch als Bewerber zu Nutze machen. 


Extrabuff 

Den Job nicht haben müssen

Dieser Tipp richtet sich besonders an Menschen, die aktuell in Anstellung sind und nur eine berufliche Veränderung suchen. Egal wie sehr einen die aktuelle Arbeit frustriert, egal wie sehr der Vorgesetzte oder die Kollegen nerven: Solange man nicht kurz vor dem absoluten Nervenzusammenbruch steht, sollte man niemals aus einer Laune heraus kündigen, bevor man ein neues Jobangebot in der Tasche hat!

Ich habe es so oft erlebt, dass Menschen zuerst gekündigt und sich erst danach mit der neuen Jobsuche beschäftigt haben. Manchmal sogar erst am Ende der Kündigungsfrist. Das ist nicht nur Prokrastination in Reinkultur, sondern ein klassischer Fehler, den man auf jeden Fall vermeiden sollte.

Selbst wenn man sich an ein paar Wochen oder Monaten in Arbeitslosigkeit nicht stößt, bringt es einen doch in eine deutlich schwierigere Verhandlungsposition. Nicht nur was die Anspannung für ein Interview betrifft. Besonders wenn die Gehaltsverhandlungen anstehen, argumentiert man aus einer deutlich stärkeren Position, wenn man auf einen Job nicht angewiesen ist. Der Bedarf nach einer Anstellung wird zu einem Nice-to-Have und wenn ein Unternehmen die eigenen Vorstellungen nicht erfüllt: There’s plenty more fish in the sea!

Außerdem unterschätzen viele Menschen, wie lange ein Bewerbungsprozess dauern kann. Selbst wenn das Unternehmen an einem interessiert ist, kann es besonders bei größeren Konzernen Wochen oder gar Monate dauern, bis man ein konkretes Jobangebot erhält. Darum sollte man sich immer an diese Regel halten. Ohne den Druck ein Angebot anzunehmen oder eine Arbeit finden zu müssen, landet man letztendlich meist in einem besser bezahlten Job.

Für weitere Tipps und Feedback zum Lebenslauf oder dem Jobinterview, sende mir eine PM auf Twitter oder verwende das Kontaktformular.

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