Alles führt oft zu nichts

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Warum Demut die entscheidende Eigenschaft für eine erfüllende Karriere ist und welche Rolle das Glück beim Glücklichsein spielt.

Es ist Sommer in Amsterdam und ich wurde von meiner niederländischen HR Managerin eingeladen am Salesforce Meeting teilzunehmen. Normalerweise werden die Umsatzzahlen und weitere KPIs präsentiert, doch dieses Mal steht auch eine Fragerunde mit der lokalen Geschäftsführung und mir auf dem Programm.

Nach den üblichen Fragen zur Konzernstrategie der kommenden Jahre, oder persönlichen Fragen zur Vereinbarkeit meines Jobs mit dem Familienleben, ergreift eine Kollegin in der vorletzten Reihe das Wort: “Wie werde ich Brand Manager?” Manche der Anwesenden lachen, andere beginnen mit ihren Sitznachbarn zu tratschen, doch der Gesichtsausdruck meiner Kollegin verrät mir, dass ihr die Sache ernst ist. Auf meine Gegenfrage wann sie diesen Karriereschritt tätigen möchte, erwidert sie trocken “Jetzt”. Alle Anwesenden haben inzwischen begriffen, dass wir uns von der lockeren Atmosphäre entfernt haben und es wird wieder ruhiger im Saal. Ich frage abschließend in welchem Land sie sich diesen Karriereschritt vorstellt und sie entgegnet, dass für sie nur die Niederlande in Frage kommen.

Meine Antwort lässt die letzten Leute im Saal verstummen:
“Egal wie sehr du dich anstrengst, egal wie sehr du davon überzeugt bist, dass du es verdient hast: da musst du verdammt viel Glück haben!”

Ich mache ein paar Schritte in Richtung Publikum und zeichne mit meinem Zeigefinger den ersten Kreis in die Luft.

Das TriPPPle-Modell

Was möchte ich eigentlich? Was ist mein Ziel? Das ist jener Kreis, den man als erstes definiert. “Pursuit” oder zu Deutsch “das Streben” nach etwas.

Im oben erwähnten Beispiel ist “Pursuit” die Position des Brand Managers. In Wahrheit könnte es aber auch etwas ganz anderes sein, z.B. eine romantische Beziehung oder einfach Anerkennung. Und trotzdem kann Pursuit selbst nach der Festlegung eine Variable bleiben (mehr dazu später).

Um etwas zu erreichen, ist ein weiteres “P” von Interesse. Man muss sich darüber Gedanken machen, wie wichtig es einem ist, das gewünschte Ziel (Pursuit) in möglichst kurzer Zeit (Pace) zu erreichen. Zeit ist bekanntlich relativ, daher ist sie von besonderem Interesse. Ohne einen klar definierten Zeitraum oder Zeitpunkt läuft man Gefahr, dieses Element zu verwässern. Die Pace kann auch “zwei bis drei Jahre” lauten, aber sie muss definiert werden.

Als dritte Variable muss man den gewünschten Standort (Place) bedenken. Dabei kann der Standort geografisch festgelegt sein, wie in unserem Beispiel “in den Niederlanden”, oder er könnte auch in einem anderen Unternehmen liegen.

Daraus ergeben sich die drei essenziellen Elemente für das TriPPPle-Modell: Pursuit, Pace und Place.

In meinem Beispiel wollte meine Kollegin die Position des Brand Managers (Pursuit), jetzt (Pace) in den Niederlanden (Place) haben. Meine Antwort lautete, dass sie dafür verdammt viel Glück benötigt. Wenn tatsächlich alle drei Faktoren zusammenkommen, sollte man darüber nachdenken, ob man nicht einfach viel Glück hatte. Oft hört man von Menschen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren, um etwas Bestimmtes zu erreichen. Das entspricht genau der Definition des TriPPPle-Modells: Sie hatten Glück.

Randnotiz an die “Ich glaube nicht an Glück” Fraktion: Nennt es einfach Schicksal.

Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass man bei einem der drei “P” Abstriche machen muss, unabhängig davon, wie sehr man sich angestrengt hat oder man der Meinung ist, es verdient zu haben.

Zurück zum Beispiel: Meine Kollegin hätte sofort (Pace) in den Niederlanden (Place) in eine neue Position befördert werden können, jedoch nicht in jene des Brand Managers (Pursuit), da diese nicht zur Verfügung stand. Möchte sie sofort eine neue Stelle in den Niederlanden, dann ist das möglich, jedoch bekommt sie irgendwas (Something).

Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass man zunächst Abstriche bei Pace oder Place macht, denn der Haupttreiber ist oft der Pursuit. Meine Kollegin hätte also entweder auf das Freiwerden der Stelle warten können, dann erhält sie die Position des Brand Managers in unserer niederländischen Niederlassung, jedoch irgendwann (Somewhen). Sie könnte auch in eine andere Niederlassung unseres Konzerns als Brand Manager wechseln, oder das Unternehmen verlassen und bei der Konkurrenz in dieser Position anheuern, was in beiden Fällen irgendwo (Somewhere) wäre.

Und somit ist das TriPPPle-Modell komplett.

“You Can’t Have It All”, es sei denn, du hast sehr großes Glück. Entweder du bekommst deine Wunschposition sofort, aber irgendwo. Oder du bekommst die Wunschposition an deinem Wunschort, dafür aber irgendwann. Eventuell bekommst du sofort eine neue Position an deinem Wunschort, dann ist es aber oft irgendwas.

Was hat das nun alles mit Demut und Glücklichsein zu tun? Und wie passt das TriPPPle-Modell da hinein?

Die Demut und das Glücklichsein

Demut ist in all diesen Fällen ein hohes Gut. Die Kunst, Dinge hinzunehmen die nicht in der eigenen Hand liegen, macht einen großen Unterschied.

In Zeiten in denen wir mit Amazon Prime alles am nächsten Tag vor die Haustür geliefert bekommen, oder bei Bedarf mit Tinder noch am gleichen Abend ein Date haben, fällt es den Menschen immer schwerer zu akzeptieren, dass außerhalb dieser Welt andere Regeln herrschen. Dies ist umso wichtiger, wenn wir mit einer komplexen Situation konfrontiert sind, in der es mehrere Stakeholder gibt und wir nur einen Teil davon beeinflussen, bzw. überhaupt einsehen können.

In Nikos Dimous Buch “Über das Unglück ein Grieche zu sein” findet man eine Definition von Unglück: Desto größer die Distanz zwischen den Wünschen und der eigenen Realität ist, desto unglücklicher ist man.
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass man umso glücklicher ist, desto näher sich die Realität an die eigenen Wünsche annähert. Es bleibt einem nicht erspart selbst mehr zu tun um seine Wünsche zu erreichen, aber wenn man mit etwas Demut akzeptiert, dass man nicht immer alles haben kann, und bei einem der drei “P” Abstriche macht, dann verringert es die Distanz zwischen Wunsch und Realität und ist der erste Schritt in Richtung Glücklichsein.

Das TriPPPle-Modell lässt sich daher sehr gut in Feedback Gesprächen verwenden, um beim Gegenüber mehr Verständnis zu erzeugen, warum sich die persönliche Erwartungshaltung nicht immer mit der komplexen Realität deckt. Die Visualisierung hilft dabei zu verdeutlichen, dass es eine sehr dominante Forderung ist, auf alle drei P zu bestehen. Sobald dieses Grundschema erläutert ist, kann man mit seinem Gegenüber besprechen, bei welchem der drei P vielleicht doch mehr Flexibilität vorhanden ist, um letztendlich das Ziel zu erreichen.

Besonders wenn man selbst das Gefühl hat festzustecken, muss man sich diese Frage auch selbst stellen. Der Weg, den man in der Vergangenheit bestritten hat, ist nicht abänderbar. Dies führt bei vielen Menschen zum Irrglauben, man hätte seinen Weg in die gleiche Richtung bereits für die Zukunft gelegt. Das ist ein fundamentaler Fehler. Mit mehr Selbstreflexion und Flexibilität bei einem der drei Elemente des TriPPPle-Modells eröffnen sich ganz neue Wege, die es wert sind, erkundet zu werden.

Abschließend, für jene die sich gefragt haben was aus meiner Kollegin geworden ist: Sie ist inzwischen Brand Managerin in unserer Niederlassung in Portugal. Olá!

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Ein Kommentar zu „Alles führt oft zu nichts“

  1. […] letzte Reise brachte uns nach Amsterdam, wo wir das TriPPPle kennengelernt haben. Dieses Mal reisen wir in die USA, nach New York City. Mein Publikum ist […]

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